Buchrückentexte

Dieses Thema im Forum "Plauderecke" wurde erstellt von Tessley, 30. April 2020.

  1. Tessley

    Tessley Well-Known Member

    Hallo zusammen,

    leider war ich jetzt schon länger nicht mehr hier, weil ich ein neues Projekt zu Ende bringe.
    Allerdings steht mir jetzt das Schlimmste bevor: Der Buchrückentext!

    Habt ihr auch immer das Problem einen vernünftigen, spannenden Buchrückentext auf die Beine zu stellen?
    Ich persönlich tu mich da echt schwer.
    (Ich habe schon immer Zusammenfassungen gehasst ...)

    Die Frage ist immer:
    Was bringe ich rein? Was ist wichtig und was kann weg? Man will ja nicht zu viel verraten, es aber spannend machen.
    Wie geht ihr das an? Habt ihr da Ideen?
    Wie lang darf er sein? 5 Sätze?

    ICH HASSE DIESE DINGER!:mad:

    Am liebsten würde ich schreiben: Lasst euch überraschen. Viel Spaß beim Lesen.
    Aber nöööö …

    Bitte sagt mir, dass ihr einen Tipp für mich habt. Ich verzweifle. :(

    LG Tessley
     
  2. Pamina22

    Pamina22 Well-Known Member

    Ich würde die W-Fragen beantworten, die der eine oder andere vielleicht noch aus dem Deutschunterricht kennt.
    Wer, wo, wann, was und warum.

    Helfen kann auch die erste Stufe der Schneeflockenmethode von Randy Ingermanson. Da soll man den Roman in einem Satz zusammenfassen.
    Ingermanson gibt ein Beispiel für den Roman "The Day of the Jackal" von Frederick Forsyth:

    "It's a thriller about a professional assassin hired by French terrorists to kill Charles de Gaulle." (Von Ingermans Buch gibt es noch keine deutsche Übersetzung, soweit ich weiß.)

    Dieser eine Satz ist für einen Klappentext natürlich zu knapp und zu trocken. Aber Du kannst ihn jetzt mit W-Fragen bzw. deren Antworten füllen.

    Daraus könnte man sowas machen (mit Unterstützung von amazon ...):
    1963 wird ein anonymer Engländer von der O.A.S (Organisation armée secrète) angeworben, um den französischen Präsidenten Charles de Gaulle zu ermorden. Aufgrund eines fehlgeschlagenen Attentats im vorhergehenden Jahr wird der französische Staatsmann streng bewacht, sodass es beinahe unmöglich ist, sich ihm zu nähern.
    Der Attentäter, der nur unter dem Pseudonym "Der Schakal" bekannt ist, muss um jeden Preis gestoppt werden, bevor er seinen mörderischen Plan in die Tat umsetzen kann. Doch wie spürt man einen Mann auf, von dem nicht mehr bekannt ist als ein Name?

    Die Jahreszahl ordnet den Roman für den Leser zeitlich ein. Hier kann der Leser, der sich ein bisschen in Geschichte und Politik auskennt, schon Vorwissen mobilisieren.
    Die Frage nach dem "Wer" wird bewusst nicht vollständig beantwortet. Man erfährt nur, dass es sich um einen professionellen Killer handelt, der unter seinem Decknamen bekannt ist.
    Dann wird natürlich das Ziel genannt. Das ist wichtig, denn ohne Ziel kann es auch keinen Konflikt geben. Außerdem wäre ein Roman ohne Ziel nicht sehr spannend. Man würde sich mal hierhin und mal dorthin treiben lassen, und könnte nie sagen, ob man "angekommen" ist.
    Ich würde auch nennen, was auf dem Spiel steht, bzw. den Konflikt deutlich machen. Was auf dem Spiel steht, muss hier eigentlich nicht so genau genannt werden, denn es ist jedem Menschen unserer Gesellschaft klar: Für den Präsidenten steht sein Leben auf dem Spiel, für den Killer ebenfalls - falls er geschnappt wird. (Die Todesstrafe wurde in Frankreich erst 1981 unter Mitterrand abgeschafft.)
    Der Konflikt wird dadurch betont, dass das fehlgeschlagene Attentat und die verstärkten Sicherheitsmaßnahmen erwähnt werden. So zeigt sich, dass der Killer es richtig schwer hat, seine Aufgabe zu erfüllen, was natürlich die Spannung erhöht.

    Im Grund eignen sich die wesentlichen Informationen aus dem 1. Akt des Romans für den Klappentext. Sie sind die Grundvoraussetzungen dafür, dass die Geschichte losgehen kann. So richtig startet die nämlich erst mit dem Beginn des 2. Aktes. Alles, was vorher passiert, dient dazu, das Setting aufzubauen und die wichtigsten Charaktere einzuführen. Damit dürfte der Leser neugierig genug geworden sein, um den Roman lesen zu wollen.

    Übrigens: Wenn Du das Schreiben eines Klappentextes hasst, solltest Du mal versuchen, ihn zu schreiben, bevor Du Deinen Roman beginnst. Am Klappentext kann man nämlich sehr schön sehen, ob der Roman funktioniert. Und falls das nicht der Fall ist, kann man das viel leichter ändern, als wenn man schon 300 Seiten geschrieben hat. Und wenn der richtige Roman dann doch etwas anders wird, ist es kein Problem mehr, den Klappentext leicht abzuändern. Ich finde es auch viel leichter, einen Klappentext zuerst zu schreiben, solange noch nicht viel vom Roman da ist, als ein 300- oder 400-Seiten-Werk auf wenige Zeilen "einzudampfen".
    Natürlich braucht es auch für diese Sache immer wieder Übung. Es ist nicht leicht, das Wesentliche aus einem Text herauszufiltern. (Das erlebe ich täglich in der Schule ...) Du könntest für bekannte Bücher, oder Bücher, die Du gelesen hast, Klappentexte schreiben und sie später mit denen bei Amazon oder auf den Buchrücken vergleichen. Meistens hasst man Dinge, die man nicht so gut kann ...

    Mit der Schneeflockenmethode legt man jedenfalls schon eine gute Grundlage, um später leichter einen Klappentext schreiben zu können.
    Am Ende eines Klappentextes schreiben viele eine Frage, die den Leser noch mehr dazu bewegen soll, den Roman zu lesen.

    LG
    Pamina
     
    Yoro, narratöör und Vouivre gefällt das.
  3. Tessley

    Tessley Well-Known Member

    Hallo Pamina22,

    das wird bei mir nicht funktionieren, weil ich meistens selbst vorher nicht weiß, was bei meinen Romanen herauskommt.
    Ich schreibe nicht strukturiert, sondern lass es fließen, wie es kommt.
    Ich erstelle einen Charakter und eine grobe Story und das wars.
    Der Rest kommt und geht mit den Entscheidungen meiner Charaktere. Meistens jedenfalls.
    Wobei es da auch irgendwann schwierig wird, das Ganze wieder in die richtigen Bahnen zu lenken, wo man am Ende hin will.
    Aber genau das ist ja das, was mir am Schreiben so gut gefällt. Meistens werde ich selbst noch überrascht.

    LG Tessley
     
  4. Pamina22

    Pamina22 Well-Known Member

    Na, ob Du das im Großen (also beim Schreiben des Romans) oder im Kleinen (beim Schreiben eines Klappentextes oder einer Zusammenfassung) herausfindest, ist doch Jacke wie Büx! Nur hast Du im zweiten Fall viel weniger Arbeit, falls es schiefgeht. Und anpassen kann man es immer noch ...

    Viel Spaß beim Schreiben.

    LG
    Pamina
     
  5. narratöör

    narratöör Well-Known Member

    Dito! Noch schlimmer sind nur noch die Exposes, die, - egal, ob Dein Roman 300 Seiten oder 3000 Seiten umfasst - auf drei Seiten alles sagen sollen. Sagt der Verlag.
    Toller Gedanke! Letztendlich steht ja oft erst der Plot, und dann kommt die Story. In diesem Fall wohl nicht.
    Wenn es beim Klappentext hapert, hilft auch viel die Umschlaggestaltung, die kann einige Unklarheiten beseitigen. Mit einem guten, aussagekräftigem Bild/Foto zum Thema unterstützt man den Klappentext.
    Ansonsten: Versuche den Klappentext zu mögen, verbinde Dich mit ihm. Was fühlst Du bei Deiner Story, welche Empfindungen werden ausgelöst oder willst Du auslösen? Stelle Dir ein Gegenüber vor, dem Du in der Kürze der Zeit - die Bahn kommt gleich, oder so - den Inhalt nahebringen willst. Wenn Du das Ende Deines Romans nicht kennst, würde ich den Klappentext eher nach hinten verschieben, bis die story fertig ist.
    Was Du nicht weißt, kannst Du auch nicht andeuten/mitteilen.
     
  6. Yoro

    Yoro Well-Known Member

    Ich glaube, niemand schreibt die Dinger wirklich gerne.
    Die Schneeflockenmethode, die Pamina hier vorschlägt, nämlich den Roman zuerst mal auf einen Satz (mit möglichst nicht mehr als 15 Wörtern) herunterzubrechen, ist dafür aber echt ne gute Übung, damit erkennt man nämlich sofort den Kern der Sache (bzw. eben auch, wenn keiner vorhanden ist).
     
    narratöör und Scherbengericht gefällt das.