Die ersten neun von 309 Seiten

Dieses Thema im Forum "Lesezirkel (offen)" wurde erstellt von Orlando, 15. November 2020.

  1. Orlando

    Orlando Member

    Liebe Forumianer,

    wie bei meiner Vorstellung versprochen, stelle ich hiermit die ersten paar Seiten meines Romans Gottmanns Fluch und Teufels Segen zur Diskussion. Es handelt sich, wie bereits gesagt, um einen urbanen Gegenwartsroman mit einem Umfang von 309 Normseiten. Allerdings mit einem singulären, bewusst gesetzten fantastischen Element. Worum geht's? Nun, in eine Pitch-Zeile gefasst, lässt sich die Geschichte wie folgt anreißen:

    Nach einem durchzechten Wochenende erwacht der mäßig erfolgreiche Programmierer Marius Benedikt Gottmann mit Gedächtnislücken. Er stellt fest, dass er sich nach und nach in ein Abbild des Teufels verwandelt und macht das Beste daraus: Er wird Influencer.

    Ich freue mich auf Eure konstruktive Kritik und Hinweise darauf, ob Ihr nach diesen ersten Seiten weiterlesen würdet. Viel Spaß und vielen Dank!
     

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  2. Scherbengericht

    Scherbengericht Active Member

    Haha! Der Pitch klingt genial – ich muss das lesen.
    (alleine schon der Name - der, der gesegnet ist und Gottmann)



    Scherbengericht liest …

    Viele Adjektive, aber klingt vielversprechend – ich würde es weiterlesen, v.a. wenn noch ein bisschen mehr Witz und Sarkasmus "zwischen Personen" hereinkommt, irgendwie fühlte ich mich an den Sandmann erinnert :D
    Für Anmerkungen, Kritik oder Ähnliches fehlt mir eben bisschen die Zeit, es ist November.
     
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  3. Palinurus

    Palinurus Well-Known Member

    Lieber Orlando,

    ein fulminanter Einstieg, vielversprechend und mit sichtlicher sprachlicher Souveränität aufs virtuelle Papier getuscht. Wie @Scherbengericht möchte ich auch eine gewisse adjektivische Häufung hier und da ansprechen, die vielleicht noch der einen oder anderen Reduktion bedarf. -- Und daneben scheint mir, daß dem Text womöglich noch zwei, drei Absätze guttun würden, also ein klein wenig mehr Auge und Bewußtsein gleichermaßen entspannende Strukturierung. Im Moment ist es ein monolithischer Block, für den ich weder optisch/formale noch inhaltliche Notwendigkeit sehe.

    Aber das sind Kleinigkeiten, die den äußerst positiven Ersteindruck kaum zu trüben vermögen. Inhaltlich noch etwas: Mir stieß auf, daß von quasi NullKommmaNichts an Erinnerungsvermögen plötzlich der Wochentag präsent war in des Protagonisten Bewußtsein. Ich bin nicht ganz sicher, ob das ein zu "kalter Übergang" ins Wiedererinnern ist oder ob es als Initial darein so stehenbleiben kann. Es fiel mir halt auf und der Lesefluß stockte ganz kurz ...

    Viele Grüße von Palinurus
     
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  4. Orlando

    Orlando Member

    Vielen Dank für Euren ersten Eindruck! Die Häufung von Adjektiven ist in der Tat eine Baustelle, die ich noch zu bereinigen habe. Und der Hinweis, stärker in Absätzen zu strukturieren, ist ebenfalls sehr hilfreich. Das war mir garnicht unmittelbar aufgefallen. Der Wochentag, lieber Palinurus, tritt tatsächlich zu früh in die Erinnerung. Danke!

    LG aus dem derzeit unerwartet sonnigen Taunus
    Roland aka Orlando
     
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  5. Yoro

    Yoro Well-Known Member

    Der Titel hat mich auf den ersten Blick an John Irvings 'Gottes Werk und Teufels Beitrag' erinnert.
    Klingt jedenfalls sehr vielversprechend, ich schaus mir heute oder morgen an.
     
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  6. Orlando

    Orlando Member

    Ich gebe zu, dass der Arbeitstitel nicht ganz zufällig der deutschen Titel-Version von Irvings ‚The Cider House Rules‘ ähnelt. Reines Marketing ;)
     
  7. DuaneHanson

    DuaneHanson Well-Known Member

    Gar nicht schlecht, immerhin habe ich es gelesen. Nun meine Gedanken. Du hattest den Teig für ein kleines Brötchen und hast einen ganzen Pizzaboden für ein Backblech daraus gemacht. Hast ihn ausgewalzt, dass er schlussendlich so dünn war, dass man Zeitung dadurch lesen kann. Du hast ein veritabel brauchbares Nudelholz, muss ich schon sagen.

    Manchmal solltest du nachschlagen, besonders bei Wörtern, die du schon ewig benutzt und bei denen du seinerzeit raten musstest. Die sind dir manchmal missglückt. Bräsig zum Beispiel heißt schwerfällig. Schwerfälliges Katzenfutter? Sagt mir nix.
    Zu viel Katzengedöns für meinen Geschmack. Du wirst die Hundeliebhaber verprellen. Zu detailliert finde ich und – Dosenöffner? Der Witz ist zu abgelutscht und ausgenudelt, den kannst du echt nicht bringen.
    ... wie die Schlangen eines Medusenhaupts ...
    Medusa ist ein Eigenname. Also müsste es heißen, wie die Schlangen des Medusenhaupts. Besser wäre allerdings wie die Schlagen der Medusa. Der, der sie kennt, weiß, was du meinst und die anderen müssten eh nachschlagen, was die allermeisten niemals tun werden.
    Zurück griente? Wörter mit zurück werden immer zusammengeschrieben. Zurückgrienen also.
    Die Beschreibung ist zu ausführlich. Warum auch immer sie so akkurat sein soll und der Kunstgriff mit dem Blick in den Spiegel? Ich weiß nicht, das ist recht billig, macht irgendwie jeder, der eine Beschreibung verfassen will und nicht weiß, wie und wo er sie sonst unterbringen soll.
    Fotopuzzle? Puzzle allein würde reichen.
    Der Samstag und die anschließende Nacht blieben mir verborgen.
    Am Beginn des Textes ein schickes Loft und später eine Bruchbude von Hinterhaus? Passt irgendwie nicht.
    400-Gramm-Dose. Wen interessiert das? Du willst einen Roman schreiben, keine Fütterungsanleitung für Katzenbesitzer. Dose täte es auch. Fressen beide Katzen eus nur einem Napf? Wundert mich, dass das gutgeht.
    Und dann geht der Hobbykoch mit dir durch. Komme mir schon vor wie bei dem einen französischen Krimiautor. Shakshuka. Für wen schreibst du eigentlich? Für dich. So liest es sich jedenfalls.
    Du hast ein paar PCs und Macs und benutzt dann Billy-Regale? Du musst Billy vor zwanzig Jahren zuletzt aufgebaut haben, heute kann man das guten Gewissens nicht mehr schreiben und schon gar nicht machen. USM-Haller wäre das Mindeste!

    Am besten hat mir der Cliffhanger am Ende gefallen, ich will wissen, was in der Dose ist. Für meinen Geschmack aber müsste der Text eingedampft und die Adjektive auf höchstens ein Viertel gestrichen werden. Aber das ist nur meine Einzelmeinung. Wohlhabend, aus gutem Haus, Konflikt mit Vater, trotzdem erfolgreich, kennt man irgendwie schon, ist schon tausendmal beschrieben worden. Weil das so altbacken klingt, müsste etwas früher im Text mehr frischer Wind rein. Da es dein Erstling zu sein scheint, okay. Nicht verkehrt. Aber ein Erstling eben, das merkt man ihm an, nicht bös gemeint. Ich glaube, mein Erstling war schlimmer.
     
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  8. Orlando

    Orlando Member

    Vielen Dank, mein Lieber,

    Deinen Beitrag zur Disziplinierung meines ab- und ausschweifenden Wesens weiß ich zu schätzen (y)

    Deine wie die konstruktive Kritik anderer Mitleser hat mich motiviert, die dringend notwendige Überarbeitung des Gesamtmanuskripts endlich in Angriff zu nehmen. Aus neun Eingangsseiten sind so fünf geworden. Dem Manuskript wird’s nach deutlicher Entschlackung ähnlich gehen. Meine Schlampigkeit im Detail hoffe ich zu beheben und meinen Sol Stein weiter zu verinnerlichen.

    Mal sehen, was daraus wird. Ich bin selbst gespannt :whistle:

    LG aus dem sonnigen Taunus
    Roland aka Orlando
     
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  9. Milar

    Milar Well-Known Member

    Ein Loft war ursprünglich ein günstiger Wohn-und Arbeitsraum, vor allem für Freiberufler und Künstler. Diese wurden in verlassenen Lager- und Industrieräumen eingerichtet. Das es in der Geschichte ein heruntergekommenes Hinterhaus ist, passt schon. Auch die Billyregale. Der Mann hat nicht viel Geld. Mehrere PC können sich über die Jahre ansammeln.
    Heute versteht man unter einem Loft meistens eine teure Designerwohnung. Der Markt hat sich diese Nische auch gekrallt.
     
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  10. Yoro

    Yoro Well-Known Member

    So, mit Verspätung *schäm*, und viel Neues kann ich leider nicht beitragen. Die Adjektiv-Schwemme ist mir auch etwas zu heftig, aber ich finde es gut geschrieben und würde weiterlesen wollen.
    Etwas weniger Katzen-lastig fände ich hier tatsächlich auch nicht schlecht (und das von einem Katzenfan *g*), ist wohl wirklich so, dass es dem Rest der Menschheit, der nicht so katzenbegeistert ist, etwas zu viel werden dürfte.
    Dass zwei Katzen aus einem Napf fressen, ist extrem selten, da hat Duane recht, es kann aber vorkommen. Dass die beiden aber gleichzeitig dasselbe Klo benutzen, kommt so gut wie nie vor.
    Über das 'bräsige Futter' hab ich auch etwas nachgegrübelt, dafür hab ich kein Problem mit dem Bruchbuden-Loft, dem PC-Haufen und den Billy-Regalen (scheiße, ich hab vor ewigen Zeiten mal eine halbe Nacht lang so ein Teil aufgebaut, bei dem die Bohrungen einen Milimeter zu klein gewesen sind und ich keine kleineren Schrauben gehabt habe). Und ein bisschen klischeelastig ist dein Prota schon, das sehe ich auch so.
    Aber ich würde auch gerne wissen, was in der Blechdose ist.
     
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