Nur eine Geschichte

Guten Morgen,

der Titel klingt vielleicht etwas einfach, aber es ist einfach nur eine Geschichte und ich möchte gerne einmal eure Meinung zu meinem ersten Kapitel hören/lesen.

Wie gefällt es euch?
Was könnte man besser machen/schreiben?
Ist er zu einfach geschrieben?

Ich hoffe er macht euch Spaß und ihr seht Bilder?

VG
Knöpfchen

PS: Diesmal mit Absätzen!!

Versuch 2.pap (38.6 KB)

Versuch 2.pap (38.6 KB)

Hallo,
entschuldigt bitte die zwei Texte.
Die sind identisch und ihr braucht nur einen öffne!

Danke
VG
Knöpfchen

Liebe Knöpfchen,

ich teile vorwegnehmend dein Kapitel in zwei (quantitativ) ungleiche Hälften: Die Eingangssituation des Ankommens und Übernachtens im Anwesen einmal und andererseits den Rest (ab dem nächsten Morgen).

Teil 1 hat mir vom Atmosphärischen her sehr gut gefallen; d.h. aus meiner Sicht: gelungener Einstieg.

Teil 2 hat mir nicht so arg gefallen, und zwar wegen einer m.E. eklatanten Überhäufung sowohl von hinzutretenden dramatis personae als auch Ereignissen resp. ersten kurzen Rückblicken. Aus meiner Sicht gehört dieser Teil noch kräftig entzerrt: Weniger Personal auftreten lassen und dafür etwas prägnantere Zeichnungen der Charaktere, jedenfalls soweit sie fürs Weitere von Belang sind. Mir ist das alles zu komprimiert. Wobei ich einzelne Charaktere schon ganz gut vorbereitet sehe – aber warum diese nicht ein wenig sorgfältiger ausbauen, anstatt auf den ersten Seiten gleich ein halbes Dorf darum zu scharen und ein Gewusel entstehen zu lassen, das keinerlei (weitere) Glanzpunkte setzt? Gar nicht geht m.E., dann auch noch die erotische Szene reinzupacken. Böte gerade die nicht einen Rückgriff auf den Anfang mit seiner schummrigen Stimmung? Etwa in einem zweiten oder dritten Kapitel, nachdem ein paar andere Charaktere – meinethalben durchaus “unter action” – ein bißchen vorgeformt wurden? So ergäbe sich eine Alternierung zwischen Ruhe und Trubel, die m.E. dem Lesevergnügen guttäte.

Soweit das GroßeGanze. Und nun noch ein paar Worte zum Formalen: Du überflutest deinen Text mit Adjektiven und Adverbien! Das ist definitiv zu viel. Streiche entweder ein paar davon raus oder weite den Text (mehr beschreibende Details, dann ist auch Platz für mehr … ähm … Füllwörter …)

Dann gibt es diverse Interpunktionfehler, v.a. Kommata müssen überarbeitet werden!

Zudem erzählst du konseqent im Präteritum, was zwar prinzipiell richtig ist, aber wenn du zurück in die Vergangenheit schaltest, mußt du dann zwingend Plusquamperfekt verwenden. Tust du das nicht, wird dir das als krasser Dilettantismus ausgelegt und niemand mit ein bißchen grammatischem Verstand wird weiterlesen, wenn sich das zwei-, dreimal wiederholt.

In eine Einzelanalyse trete ich gerne ein, wenn die eben genannten groben Fehler im Formalbereich beseitigt sind. Wie schon gesagt: Ich sehe bisher durchaus Potential …

Viele Grüße von Palinurus

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Hallo @Knöpfchen,

in Ergänzung zu dem, was @Palinurus bereits zum Formalen geschrieben hat, sind auch noch einige orthografische Fehler im Text:
wie z. B. …frisch gehaktem Holz… → geharkt, mit Mühe schliff Maja das knarzende Brettertor → schleifte,
knöpfte sie hastig Maja sein Hemd auf.
Manchmal schleichen sich Dialektausdrücke ein wie Wasserkran oder Fisselregen (ich tippe mal, Du kommst aus der südwestlichen Ecke der Republik? ;)).

Nun zum Inhalt. Man erfährt so gut wie nichts über deine Protagonistin. Gut, sie ist Witwe, ist in dem Waldhaus aufgewachsen und ihre Oma ist gestorben. Kein Alter, kein Beruf, kaum Informationen über die Beziehung zur Großmutter, ihre momentane Situation, Gemütsverfassung, etc. Wohlgemerkt, ich rede hier nicht einem Infodump das Wort, aber ein bisschen mehr müsste da schon sein, damit man einen Bezug zu ihr bekommt. Die Dosis macht das Gift.

Palinurus hat ja schon was zum inflationären Gebrauch von Adjektiven und Adverbien geschrieben, ich will aber auch noch auf etwas anderes hinaus. Man kann dem entnehmen, wie die Umgebung, Personen, etc. auf Dich als allwissende Erzählerin wirken, aber wie wirken sie auf Deine Protagonistin? Diese bleibt leider farblos, distanziert und irgendwie klinisch. Dadurch kann der Leser keinen Bezug zu ihr aufbauen. Wie es Oskar mal sinngemäß so schön in einem anderen Thread formuliert hat: Wenn die Alte im nächsten Kapitel eine Klippe runterfällt und stirbt, ist mir das auch egal. Maja kommt nach einer Zeit zurück zum Ort ihrer Kindheit, weil ihre Oma gerade verstorben ist und es kommen ihr keine Gedanken, wehmütige Erinnerungen, Episoden und Anekdoten aus der Kindheit dazu hoch? Sie trauert nicht, bis auf den öffentlichkeitswirksamen Schluchzer in der Kirche, bevor sie einen saufen geht und einen wildfremden Kerl aufreißt, um es überspitzt zu formulieren? Bei der Erinnerung in der Dusche an den Tod ihres Ehemanns bekommt man ansatzweise einen Blick in ihre Gefühlswelt, aber das ist m. E. nicht ausreichend. Das ist eigentlich der Punkt, der mich an der Geschichte am meisten gestört hat: die fehlenden Identifikationsmöglichkeiten mit der Protagonistin.

Daneben bin ich auch auf Punkte gestoßen, die für mich zumindest, logisch fragwürdig sind:

  • Sie läßt ihre zwei Freundinnen, die sich untereinander nicht kennen, einfach in ihrem Haus stehen, zieht sich an und verschwindet dann ohne Verabschiedung oder sonstwas zur Kirche?
  • Wieso quatscht Rosa als Freundin einfach eine wildfremde Nonne an und wieso reagiert Maja nicht selbst darauf?
  • Maja ist bei ihrer Großmutter aufgewachsen, da sollten die leiblichen Eltern doch bekannt sein, also warum ist Rosa so erstaunt über die Aussage der Nonne?
  • Nachdem Rosa etwas Dramatisches über Majas Eltern erfahren hat, erzählt sie ihr ohne Grund nichts davon?
  • Die Freundinnen lösen sich offenbar während des Spaziergangs durchs Dorf in Luft auf, denn fortan wurden sie nicht mehr gesehen.
  • Nachdem sie viele Gläser Rotwein getrunken haben, bietet Ole ihr an, sie nach Hause zu fahren und sie stimmt erleichtert zu. Hat keiner der beiden Angst um Auto oder Führerschein? Ist das in diesem Dorf so üblich? Wenigstens einen erklärenden Satz dazu hätte ich erwartet, noch dazu, wo ihr Ehemann bei einem Autounfall ums Leben gekommen ist.

Viele Grüße

Ralf

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Moin,

vielen, vielen Dank an Paulinurus und Ralf.
Für den ersten guten Teil habe ich ein halbes Jahr gebraucht und werde mich jetzt an die Überarbeitung machen.
Allerdings arbeite ich mit dem Duden und dem Duden Mentor. Selbst hier, werden mir falsche Kommatas nicht angezeigt, Verwirrung…

Ich bin ein waschechter Preuße und ein Fan von Friedrich II, der mit den sieben Hunden.
Jetzt lebe und arbeite ich in Niedersachsen, mit umwegen über Münster und Xanten.

Ich wünscche Euch ein schönen Sonntag!

Vielen lieben Dank.

VG
Knöpfchen

Liebe Knöpfchen,

auf die papyrus-integrierten Dudenfunktionen darfst du dich bitte nicht immer verlassen. Sie zeitigen diverse Fehler (bei Kommata z.B. habe ich den Eindruck gewonnen, daß sie zuviele setzen “wollen”); ihnen einfach zu vertrauen geht jedenfalls nicht an! Was aber nicht sagen soll, sie wären witzlos. Nur muß das eigene kritische Vermögen stets eingeschaltet bleiben.

Übrigens ist ‘Kommata’ bereits die Pluralform. Aber du mußt dich solcher (gelehrten) Formen gar nicht bedienen. Man kann genausogut ‘Kommas’ sagen.

Gruß von Palinurus

Hallo Palinurus,

entschuldige bitte vorhin das weitere U in deinem Namen.
Ich verlasse mich nicht darauf, wie du schon geschrieben hast. Auch kann ich mit Kritik gut umgehen (Frau in einem Männerberuf, drei Kiner, ein Mann und einen Hund!)
Für jede Hilfe und Unterstützung bin ich sehr dankbar!!!

Gruß vom Knöpfchen

Du hast alles beschrieben - erklärt, jedoch den Leser nicht mitgenommen. Versuch vor allem am Anfang des Buches Spannung zu erzeugen und die Gefühle deiner Protagonistin dem Leser nahezubringen, so dass er mit ihm mitfiebert. Der Anfang deines Romans liest sich wie ein Werbung aus einem Prospekt für “Schöner Wohnen”. Der Anfang einer jeden Geschichte, ist die Chance den Leser in den Bann zu ziehen und ihn bei Laune zu halten. Mir wurde bereits nach 3 Sätzen langweilig.
Das andere, deine Sätze sind viel zu verschachtelt. Kürzen, klarer darstellen! Es gibt eine alte besagte Schriftstellerregel (ist lediglich ein Tipp, kein muss): Ein Satz sollte aus ca. 7 Wörtern bestehen. Du schaffst damit automatisch einen flüssigen Lesefluss.
Ich finde du hast einen schönen Schreibstil. Also hau in die Tasten und hau uns um :))

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@RalfG geharkt? Wohl eher gehackt. Harken kann man vielleicht die Beete, Holz eher nicht.

Argh! Du hast natürlich völlig recht, es geht um gehacktes Holz. Aus irgendeinem Grund war ich in Gedanken bei geharkten Wegen…

Wenn ich es wagen darf, meinen Senf hinzuzufügen:

Müde, von der Autofahrt geschlaucht, stieg sie die ächzenden Stufen hinauf in das obere Stockwerk, dieses erschien in lebendigeren, knackigeren Farben.

Dies nur als Beispielsatz. Ich finde, du “doppelst” zu viel. Wenn du müde schreibst, reicht das doch oder andersherum, wenn du von der Autofahrt geschlaucht schreibst. Selbes gilt für die lebendigen oder knackigeren Farben.

Mich würde es interessieren, in welchen Genre du schreibst?

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Hallo Knöpfchen, ich lese gerade weiter und hier eine Stelle, an der mir gleich mehrere Dinge aufgefallen sind:

*Sie schloss ihre Augen, sog die Luft, die nach Tannennadeln, Moos und frisch gehaktem Holz roch, ein. Anschließend schüttelte sie ihre langen, annähernd schwarzen Locken und verschwand summend im Badezimmer unter der Dusche. Das warme Wasser plätscherte auf ihren zerbrechlich wirkenden Körper herab, die Erinnerungen an ihren Ehemann und seinem tragischen Tod kehrten zurück, drängten sich in den Vordergrund. *

  1. Du schreibst sehr viel mit eingschobenen Sätzen, das macht es für mich schwerer lesbar und irgendwie reißt es mich immer aus den Bildern, die du transportieren möchtest. Wie wäre es mit: *Sie schloss die Augen und sog die Luft ein. Sie roch nach Tannennadeln, Moos und frisch gehacktem Holz. *

  2. Ich habe bei dem - bisher gelesenen Text - das Gefühl, dass du zwischen einer sehr persönlichen und sehr objektiven (also deiner Autoren-) Perspektive wechselst. Hier in dem Abschnitt beschreibst du, was sie riecht. Dann aber schreibst du etwas über ihren zerbrechlich wirkenden Körper (das bist du, der das so beschreibt). Ist dies von dir gewollt - also Perspektivwechsel? Eine Anregung: Warum bleibst du nicht ganz bei deiner Protagonistin? Du könntest hier show don’t tell anweden und beschreiben, wie sie beobachtet, wie das Wasser ihren Körper hinunterläuft, etc.

  3. Das gleiche gilt für den Satz: …ihre langen, annhähernd schwarzen Locken. Was ist “annähernd”? Ich finde die Beschreibung eher kühl und unpersönlich. Auch das könnte man in schönster show don’t tell Manier anders schreiben.

Oder anders gefragt: Ist die äußerliche Beschreibung der Protagonistin bereits hier in den vielen Details nötig oder könntest du die auch später noch hier und da einflechten? (Und bitte, bitte lass sie nicht in einen Spiegel gucken ;))

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