Plotten: Dramadreieck

Dieses Thema im Forum "Tipps und Tricks" wurde erstellt von Neri, 13. Oktober 2021.

  1. Neri

    Neri Well-Known Member

    Wenn ich die Figuren einer Geschichte anhand des Dramadreiecks positioniere, kommt es im Laufe der Handlung unvermeidlich zum Rollentausch.
    Ich meine mich zu erinnern, im Rahmen eines Seminars gehört zu haben, dass am Ende einer Geschichte Verfolger, Opfer und Retter wieder in ihre ursprünglichen Rollenbilder zurückkehren müssen. Andernfalls würde die Erwartungshaltung der Leser:innen enttäuscht, was die sehr übel nehmen.
    Ich finde meine damaligen Aufzeichnungen nicht mehr (lange her) und auch google liefert wenig Brauchbares.

    Wie verfahrt ihr dabei?

    1. Rollenerwartung:
    Achtet ihr darauf, dass eure Figuren am Ende wieder ihre Ausgangsrolle innehaben oder brecht ihr auch mal ganz bewusst mit der Rollenerwartung?

    2. Rollentausch:
    Plant und strukturiert ihr den Rollentausch innerhalb der Handlung, z. B. kapitelbezogen?
     
    Zuletzt bearbeitet: 13. Oktober 2021
  2. Milar

    Milar Well-Known Member

    Eine Figur sollte eine Wandlung durchmachen. Sie kann nicht mehr dieselbe sein wie am Anfang.
     
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  3. Neri

    Neri Well-Known Member

    Völlig richtig, @Milar ... aber diese Wandlung ist sicher auch innerhalb der zugewiesenen Rolle möglich. Die Wandlung durch Entwicklung wirkt sich ja meist auf Verhaltensweisen, Gewohnheiten oder veränderte Wertemuster aus. Wenn der anfängliche Retter am Ende jeodch der Täter ist, wäre das ein ziemlicher Bruch ... wenn auch nicht undenkbar.
     
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  4. Suse

    Suse Well-Known Member

    Nicht ganz. Einige Figuren entwickeln sich und andere nicht. Die sich nicht entwickeln sind quasi so eine Art Halteschnur, damit die Entwicklung der anderen kein Wirrwarr beim Leser erzeugen. Quasi der Fels in der Brandung.
     
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  5. Neri

    Neri Well-Known Member

    ... genau darum geht es ;)
     
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  6. Suse

    Suse Well-Known Member

    Und würde mir herausragend gut gefallen. Dazu ist jedoch ein plausibler Aufbau nötig, damit es trotz aller Überraschung nachvollziehbar bleibt.
     
  7. Suse

    Suse Well-Known Member

    Ist mir schon klar. Das Wirrwarr entstünde aber erst durch fehlende Eckpfeiler.
     
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  8. Milar

    Milar Well-Known Member

    Klar. Aus einem diebischen Buchhalter wird ein ehrlicher Buchhalter. Anderseits wird in der Heldenreise aus dem Bauernsohn ein Krieger. Beides ist möglich.
     
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  9. Neri

    Neri Well-Known Member

    Das Dramadreieck fasziniert mich schon lange. Ich sehe es allerdings nicht als Alternative zum Plot, wie es in manchen Schreib-Blogs dargestellt wird, sondern vielmehr als zentrales Element innerhalb eines jeden Dramas.
     
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  10. Suse

    Suse Well-Known Member

    Für mich ist das Drama-Dreieck Bestandteil des Plots. Ob es unbedingt ein zentrales Element ist? Weiß ich nicht. Auf jeden Fall ist es eine Wissenschaft für sich und sehr interessant.
     
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  11. Neri

    Neri Well-Known Member

    Jein ... nimm z. b. "Harry Potter". Der ist schon als Baby in der Rolle des Retters ... bis zum Schluss. Zwischenzeitlich wird er zwar unzählige Male zum Opfer, am Ende ist er aber wieder der Retter. Während der gesamten Handlung erlangt er eigentlich nur die Fähigkeiten, die ihm vom "Kind im Schrank" zum Gegner Voldemorts auf Augenhöhe machen.
     
  12. Suse

    Suse Well-Known Member

    Ja, eben. Bei Harry Potter ist es so. Es könnte aber auch anders funktionieren. Wobei ich dir Recht geben muss, dass nur wenige von diesem Prinzip abweichen.
     
  13. Neri

    Neri Well-Known Member

    das ist genau die Frage, mit der ich mich seit Wochen herumschlage ... *seufz*
     
  14. Suse

    Suse Well-Known Member

    Probier es doch einfach aus. Es muss doch nicht alles nach 08/15 gestrickt werden. Wie gesagt, ich mag es sehr, wenn von der Typologie abgewichen wird.
     
  15. Neri

    Neri Well-Known Member

    ... tue ich ja ;)

    Hintergrund:

    Ich hadere seit Wochen schon mit einem Problem bei einer Krimihandlung. Anfangs sind die Rollen klar: Killer jagt als VERFOLGER die OPFER, die Hauptfigur „Kommissar“ jagt als RETTER den Killer. Das Problem ist: Gegen Ende des zweiten Drittels wird der Kommissar vom RETTER zum OPFER und vom Killer getötet. Damit kann er logischerweise nicht in seine alte Rolle zurückkehren.
     
  16. Milar

    Milar Well-Known Member

    @Neri,
    ich glaube, mit dem Dramadreieck verkopfst du deine Geschichten. Schreib einfach drauflos. In deinem Beispiel könnten die Opfer sich jetzt wehren und den Killer alle machen.
     
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  17. Neri

    Neri Well-Known Member

    Für meine Art zu schreiben, gehört das zwangsläufig dazu. Je mehr Hirnschmalz ich in die Geschichte stecke, desto verständlicher ließt es sich für andere - hoffe ich zumindest.
    Das habe ich zu lange gemacht. Deshalb habe ich um die hundert angefangene Geschichten auf dem Rechner. Erst seit ich einige davon mit einem strukturierten Unterbau versehen habe, gehts es mit denen weiter voran. Inzwischen investiere ich ebenso viel Zeit in die Planung, wie in das Schreiben. Zugegeben: Anders war’s schöner. Aber so wird’s besser ;)
     
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  18. Suse

    Suse Well-Known Member

    Verlier bloß nicht den Spaß aus den Augen!
     
  19. Neri

    Neri Well-Known Member

    Auch schwere Arbeit kann Spaß machen. Zudem habe ich jetzt das gute Gefühl, dass ich nicht nur schreibe, sondern auch was schaffe.
     
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  20. Füllwort

    Füllwort Active Member

    Nicht alle Werkzeuge sind für alle Geschichten gleich gut geeignet. Deshalb gibt es so viele.

    Nur aus Neugier: wer ist denn Dein Protagonist im letzten Drittel?
     
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