Verfolgungsjagd

Dieses Thema im Forum "Recherche-Experten" wurde erstellt von Tessley, 27. Oktober 2020.

  1. Tessley

    Tessley Well-Known Member

    Hallo zusammen,

    hat schon mal jemand von euch eine Verfolgungsjagd mit dem Wagen in seinen Büchern beschrieben?
    Ich tue mich da unendlich schwer. Könnte die Szene auch überspringen und nur davon berichten, aber ihr kennt mich. Einfach ist langweilig. Außerdem würde in der Story etwas fehlen und es wäre lieblos. Daher bräuchte ich eine spannende, Aktion geladene Verfolgungsjagd.
    Habe mir dazu auch schon mehrere angesehen, die man so aus Filmen kennt.
    Einige waren langweilig, andere viel zu übertrieben und unlogisch.
    Bullet, Fast and Furious, Taxi Taxi, ect.
    Nur weiß ich wirklich nicht, wie ich sowas spannend beschreiben soll.
    Die passenden Wagen habe ich mir auch schon rausgesucht.
    Hat jemand einen Tipp?

    LG Tessley
     
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  2. Scherbengericht

    Scherbengericht Well-Known Member

    Welche Wagen sind es? Bitte unter Angabe des Baujahres.
     
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  3. Ulli

    Ulli Administrator Mitarbeiter

    Du musst Dir überlegen, wer dabei fährt und mit welchem Skill-Level. Kaum jemand kann "einfach so" richtig gut und schnell fahren.
    Rallye-/Rennfahrer-Hobby, Geheimagenten-Ausbildung, Taxifahrer, Fahrlehrer, Autonarr ...

    Und ja, Scherbengericht hat Recht - welche Autos? Mit 'ner Ente als Fluchtfahrzeug entkommt nur Bond. James Bond.
     
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  4. Pferdefrau

    Pferdefrau Well-Known Member

    Die Verfolgungsjagden im Film "Die Bourne Identität" sind sehr realitätsnah. Mit ´nem Mini eine steile Treppe runter - das hat was. Oder im Rückwärtsgang vor einem Polizeiauto flüchten. Scharfe Wendung, ein paar Mülleimer um fahren, die dann scheppernd die Straße entlangrollen. Vielleicht so irgendwie ...
     
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  5. Blue Rhino

    Blue Rhino New Member

    Tessley, schau dir mal ein Video von Snow Patrol an.

    Nein, nicht "Chasing cars", lach, sondern "Open your eyes".

    Hier ist der Link:

    Die Hetze kommt imho ziemlich gut zum Ausdruck. Vielleicht findest du da eine Anregung.
     
  6. Ulli

    Ulli Administrator Mitarbeiter

    Das schafft so kaum einer. Bremse und Gas sind's :) (bei einem Fronttriebler reicht rückwärts sogar das Gas).
     
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  7. Uwe Hermann

    Uwe Hermann Active Member

    Bring Überraschungen hinein, wie eine rote Ampel, einen beschrankten Bahnübergang, dessen Schranken sich gerade schließen und Fußgänger/kreuzende Fahrzeuge. Wenn es passt, einen Beifahrer, dessen Reaktionen du beschreiben könntest. Schreie? Angst? wenn es passt sarkastische Sprüche a la Bruce Willis.

    Um dich auf die Szene vorzubereiten, könntest du dich ins Auto setzen und eine ähnliche Strecke im normalen Tempo abfahren. Achte auf Verkehrsschilder, Kreuzungen, welchen Fahrzeugen dir begegnen ... dass alles kannst du mit einbringen - dann nur im rasenden Tempo.

    Ach ja, und falls auf den Wagen geschossen werden soll, hast du noch mehr Möglichkeiten, um Spannung zu erzielen.
    Spannung entsteht auch, wenn der Leser auf etwas wartet, dass du bewusst hinauszögerst.
    Ich hoffe, ich konnte dir etwas helfen.
     
  8. Zauberfrau

    Zauberfrau Well-Known Member

    Hm, ich weiß nicht, ob Filmszenen wirklich hilfreich sind. Filme entwirft man generell anders als Bücher. Dort kommt es auf das Visuelle an.
    Wenn du die ransante Strecke im Film beschreibst, wird der Leser davon nur wenig erleben.
    Ein Buch lesen, bedeutet Emotionen erfahren.
    Ich glaube, es wäre besser, sich in den fahrenden Protagonisten hineinzuversetzen und sich zu überlegen, was er empfindet, wenn das von ihm verfolgte Auto plötzlich in die enge Seitengasse hineingrätscht oder die Ampel vor ihm auf Rot schaltet und eine Schulklasse gerade über die Fußgängerüberquerung losläuft. Vielleicht verheddert er sich in der Eile mit dem Hosenbein am Hebel der Sitzverstellung oder kommt gerade mit dem Lenkrad nicht klar. Oder das Schleudern des Autos bringt ihn dazu, nicht mehr Herr der Steuerung zu sein. Der Schweiß sitzt ihm auf dem Rücken und auf den Handflächen, das Lenkrad rutscht ihm durch... Irgendwas kracht ohrenbetäubend, aber er weiß nicht, was passiert ist, weil er sich so sehr auf die Fahrt konzentrieren muss. - "Stoßgebete" von ihm sind da bestimmt nicht verkehrt.
    Oder Flüche. Flüche sind auch gut. Auch wenn z.B. sein Wagen nicht das tut, was er beabsichtigt hat.
    Naja. Zumindest würde ich eine Szene dieser Art auf diese Weise schreiben wollen.
     
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  9. Suse

    Suse Well-Known Member

    Meiner Ansicht nach ist das "nur" ein Teilaspekt.

    Wenn man es zusätzlich schafft, den Leser etwas erleben zu lassen, dann hat man doch die Kunst des Schreibens erfolgreich verinnerlicht.
     
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  10. Pferdefrau

    Pferdefrau Well-Known Member

    Warum nicht? Sie können auf jeden Fall als Inspiration dienen. Es geht ja nicht darum, eine Filmszene zu beschreiben.
    So läuft es ja auch im Film ab. Aber du hast schon recht: es fehlt die Panik, der Schweiß, der Adrenalinstoß, die Hände verkrampfen sich am Lenkrad usw.
     
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  11. RainerGausH

    RainerGausH Well-Known Member

    Aus wessen Sicht möchtest du denn diese Verfolgungsjagd schildern?
    Ist es der auktoriale (allwissende) Erzähler, ein personaler Erzähler oder gar der Ich-Erzähler.
    Soll die Sicht des Verfolgers, des Verfolgten (oder beide?) beleuchtet werden oder nur eine "Außenansicht" der Verfolgungsjagd'?

    Der personale oder der Ich-Erzähler kann prima dafür dienen, die "Innenansichten" des Verfolgers/Verfolgten zu schildern, gem. seinen charkaterlichen Eigenschaften.
     
  12. Tessley

    Tessley Well-Known Member

    Hallo zusammen,

    ihr seid echt klasse!
    So viele Anregungen, da verfliegt Verzweiflung und die Angst vorm Schreiben regelrecht.
    Super! (y)

    Zur Info:
    Das Fahrzeug des Flüchtigen ist ein Lamborghini Huracàn - viel PS, liegt aber tief. Dachte, das könnte ich ausnutzen, da die anderen Fahrzeuge nicht ganz so viele PS haben.
    Die Fahrzeuge der Jäger sind:
    - Dodge Challenger Hellcat
    - Range Rover Discovery
    - Range Rover Evoque

    Die Verfolgungsjagd soll durch London und Umgebung verlaufen und alle Fahrer haben Jahrzehntelanges Training hinter sich.
    (Spezialeinheit könnte man sagen.)
    Anfangs wollte ich das durch einen bestimmten Park machen, aber nach eingehender Recherche kann ich ihn nicht nutzen. Zu viele Trockenbauwände, welche die Schafe auf den Feldern einpferchen und der Lamborghini käme nicht weit, da er sich sofort den Unterboden aufschürfen würde.

    Ich wollte es aus Sicht eines Jägers schreiben, aber bei den Anregungen kann ich auch mal auf den gejagten wechseln. Das könnte gut funktionieren um die emotionalen Erlebnisse während der Flucht zu schildern. Schließlich hat er nichts mehr zu verlieren.
    Und er ist der Böse, also könnte er auch vielleicht Selbstgespräche führen oder ähnliches.

    Ich danke euch! Ihr seid TOP!:love:

    LG Tessley
     
  13. Zauberfrau

    Zauberfrau Well-Known Member

    Vorsicht mit zu vielen Perspektivwechseln! Jeder Perspektivwechsel reißt den Leser aus dem (Lese-)Fluss. Er muss sich dann erst mal umorientieren: "Bin ich jetzt kein Jäger mehr? Ach so, nein, ich bin jetzt bei demjenigen, der gejagt wird." Das muss man als Autor immer bedenken! Gerade in solchen rasanten Szenen baust du dir selbst Stolperfallen und unnötige Bremsen ein.
    Zwar musst du dich nicht dran halten, aber du musst um die Gefahren des Perspektivwechsels wissen (oder sie auch eventuell gezielt einsetzen? - Dann musst du aber genau wissen, was du tust).

    Frag dich am besten mal: Wer (deiner Protagonisten) könnte diese Szene am besten erzählen? Bei wem liegt der meiste Thrill / das meiste Interesse? Und dann bleib die ganze Verfolgungsjagd bei deiner Entscheidung.
    Danach kannst du - wenn es wichtig sein sollte - ja die Perspektive wechseln und eine Figur, die in der Verfolgungsszene vom Leser nicht begleitet wurde, darüber nachdenken lassen, was sie gerade erlebt hat (wenn du wirklich beide Perspektiven für die Geschichten brauchst). Aber wahrscheinlich ist das nicht nötig.
     
  14. Renator

    Renator Well-Known Member

    Ich würde Dir folgende Tipps geben:
    Lass die Verfolgungsjagd nicht auf Actionfloskel basieren. Als Negativbeispiel würde ich da sowas wie "Schweiss rannte ihm über die Stirn" nennen. Schwitzen tut man mit Sicherheit, aber das würde ich am Ende bemerken (T-Shirt klebte am Ledersitz). Persönliches Befinden ist bei sowas sowieso fehl am Platz. Lass die Fahrer nur agieren und reagieren, aber nicht denken. Deine Fahrer machen das ja eine zeitlang und sollten eine gewisse Routine haben. Hier und da ein Fachbegriff aus dem Jargon des Motorsports, schadet der Sache bestimmt auch nicht.

    Vielleicht kann Dich das ein wenig Inspirieren:
    - ein Verfolger schreckt auf, weil bei einem der Autos eine Fehlzündung entsteht und er zuerst ein Pistolenschuss vermutet
    - wie ein Fahrer den ESP ausschaltet (um zu driften) ... ein anderer Fahrer das Sportfahrwerk per Knopfdruck aktiviert
    - beschreibe, wie der Dodge aus dem Drift kommt ... dann in der geraden beschleunigt und wie schwer sich der Wagen wieder in die Spur bringen lässt
    - wie der Huracàn bei 7000 - 8000 U/min laut kreischend und fauchend durch die Häuserschluchten getrieben wird
    - wie Menschen auf den Bürgersteigen stehengeblieben sind und mit angstvollen Blicken in die Autos schauen
    - das schlechte Gewissen, als Frau mit Kinderwagen vom Zebrastreifen rennt (typische Szenen, lässt sich aber in einer Millionenstadt nicht vermeiden)
    - wie der Range Rover durch eine enge Einbahnstraße rast und der Fahrer hofft, dass jetzt bloß kein Auto auf die Straße einbiegt
    - der Geruch von verbrannten Gummi im Fahrzeuginnenraum
    - das Blaulicht im Rückspiegel mal näher, mal weiter entfernt ist
    - sprich vom Anpressdruck (Huracàn), der den den Wagen in der Kurve hält
    - wie das Durchdrehen der Reifen des Dodge, wertvolle Sekunden kostet
    - das Pfeifen des Turboladers
    - wie sich beim Beschleunigen (des Dodge, Range Rover) die Motorhaube hebt
    - die panischen Warnungen des Beifahrers
    - sich der Beifahrer vor der bevorstehenden Vollbremsung mit den Beinen tief in den Sitz drückt
    - wie er verkrampft er die ganze Zeit den Türgriff (vielleicht mit beiden Händen) umklammert
    - hat jeder genug Benzin im Tank?
    - die 90 Grad Wende in der Sackgasse
    - das Navi sollte auch eine Role spielen, falls sie auf die Autobahn wollen


    Ich glaube auch gelesen zu haben, dass Londons Innenstadt weitgehend autofrei ist. Vielleicht kannst Du nochmal recherchieren, bevor Du die Autos durch die Stadt jagst. Was auch zu beachten wäre: In Rom habe ich viel Militär (Terrorschutz) gesehen ... ich weiß nicht, ob das in London auch so ist. Das könntest Du einbauen oder mit einem Schauplatzwechsel umgehen.


    Grüße und viel Erfolg!
     
  15. Pferdefrau

    Pferdefrau Well-Known Member

    Mir ist noch was eingefallen:
    Die Jäger könnten über Funk verbunden sein. Sie könnten rätseln, welche Strecke der Böse nehmen wird. Oder sich aufteilen, um ihn in die Zange zu nehmen. Das könnte evtl. für noch mehr Spannung sorgen.
    Und dazu noch ein paar witzig-bissige Kommentare.
     
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  16. Lusmore

    Lusmore Well-Known Member

    Hy @Tessley, ich bin spät dran, verzeih. :)
    Der Song ist schön. Und brachte mich auf einen Film über einen Fahrradkurier. Premium Rush. Die besten Szenen sind die wo er die möglichen Routen und Alternativen in einem Sekunden Bruchteil durchdenkt, mit den möglichen Konsequenzen.
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    Fand ich großartig gemacht, vielleicht kannst du da ja einen inneren Monolog des Verfolgers nehmen.
    Und wenn er böse ist um so besser, dann wird die Mama halt mit Kinderwagen überfahren, was wiederum mehr Aufmerksamkeit auf ihn und die anderen lenken würde. Die relevante Szene beginnt bei ca. 1:30
    Ansonsten Ronin, Bullit und natürlich Blues Brothers. Übrigens war das Einkaufszentrum echt, was unter anderem hier nachzulesen ist.
    French Connection, ein ausgekochtes Schlitzohr, man könnte diese Liste ewig fortsetzen und wenn dann noch der @Bloodhound sein Wissen besteuert....

    Was vielleicht auch noch eine Rolle spielen könnte wäre, kennen sich alle in der Stadt aus? Wer hat da die Vorteile, bzw. Nachteile?

    Ich bin gespannt wie du es machen wirst, halt uns auf dem laufenden.

    Ich hoffe ich habe es nicht mit den Links übertrieben und entschuldige mich schonmal pauschal @Ulli ;)
     
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  17. Bloodhound

    Bloodhound Well-Known Member

    Ich habe hier nicht alles mitgelesen, aber ich hätte da noch eine, wie ich finde, sehr düstere Verfolgungsjagd. Äußerst stimmungsvoll. "Helden der Nacht" mit Eva Mendes und Joaquin Phoenix



    Wenn man das so beschreiben kann, dass es beim Leser ankommt. Toll!
     
    Zuletzt bearbeitet: 29. Oktober 2020
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  18. TJung1968

    TJung1968 Active Member

    Das ist sogar ein doppeltes Negativbespiel, weil Schweiß rinnt und nicht rennt. ;)
    (Sorry, das musste jetzt einfach sein…)

    … wobei ich die Betonung auf »hier und da« legen würde: Ich interessiere mich so gar nicht für den Motorsport, und wenn ich – um es absichtlich übertrieben auszudrücken – das Gefühl habe, ich lese den feuchten Traum eines verhinderten Rennfahrers, suche ich ganz schnell die Stelle, an der die Verfolgungsjagd vorbei ist.
    Hier habe ich auch gleich ein Beispiel meiner Motorsport-Ignoranz:

    Bei ESP kommt mir Spanien, der E-Mail-Service-Provider, der elektronische Skip-Schutz von CD-Playern und außersinnliche Wahrnehmung in den Sinn, nix mit Autos. Gut, ich verstehe natürlich trotzdem, dass es irgendwie um die Technik des Autos geht – aber ich wollte ja auch nicht sagen, dass das nicht in den Text gehört, sondern nur illustrieren, wie wenig ich davon verstehe.

    Gefällt mir gut – der Voschlag und die Begründung.
     
  19. TJung1968

    TJung1968 Active Member

    Da kann ich gerade nicht folgen – führen nur die Bösen Selbstgespräche? ;)
     
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  20. Lusmore

    Lusmore Well-Known Member

    Natürlich tun nur wir das, oder Lusmore?