Wann seid ihr fertig?

Die einfache Antwort: Wenn die Geschichte fertig erzählt ist!

Mein Problem ist, dass ich gar nicht weiß, wann meine Geschichte fertig erzählt ist. Mein Manuskript hat mittlerweile einen Umfang, von dem ich weiß, dass er vergleichbar ist mit anderen Werken im gleichen Genre. Nun gibt es mehrere Fragen, die ich mir stelle:

  1. Sollte ich mehr schreiben? Ich weiß, ich könnte vermutlich noch beliebig viele Kapitel hinzufügen. Das Szenario, über welches ich schreibe, lässt sich beliebig erweitern, da man ganz viele Aspekte noch weiter beleuchten könnte. Noch ein Konflikt, noch eine Wendung, noch eine weitere Information über die globalen Veränderungen.

  2. Wie lange pfeile* ich an den einzelnen Kapiteln? Jedes Mal, wenn ich ein Kapitel lese, verändere ich etwas. Mal nur ein, zwei Worte. Mal ergänze ich Inforrmationen zu den Protagonisten oder zum Setting. Manchmal streiche ich auch etwas raus (seltener). Ich habe das Gefühl, ich könnte diese Schleife endlos wiederholen, ohne dass ich jetzt zu 100% sicher bin, dass es auch wirklich jedes mal besser wird. Es gab auf jeden Fall auch schon Verschlimmbesserungen.

  3. Wann sind die Charaktere fertig? Auch hier ein ähnliches Problem. Ich weiß aktuell nicht, ob mein Antagonist Kartoffeln mag. War bisher auch nicht so schlimm. Aber wenn ich lange genug darüber nachdenke, finde ich bestimmt einen Grund, warum ich hier eine Entscheidung treffen muss (Salzkartoffeln: Nein, Bratkartoffeln: Ja, außer wenn sie mit Zwiebeln zubereitet wurden).

Wie geht ihr damit um? Ich bin mittlerweile an dem Punkt, dass ich mir ein Wort- und Zeitlimit setze. Damit ich wenigstens irgendeinen Anhaltspunkt habe. Das fühlt sich sehr „mechanisch“ an, aber eine besser Idee habe ich gerade nicht.

*Edit: Gerade gesehen, ich hab „pfeile“ geschrieben. Find ich in dem Zusammenhang irgendwie witzig. Deswegen bleibt es jetzt so.

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Ich bin nun wahrlich kein Profi und zweifle immer wieder an meiner Schreiberei.
Aber ich habe mir folgenden Ratschlag zu eigen gemacht: “Der Köder muss dem *Fisch *schmecken, nicht dir.” (Ich hasse Angeln btw - aber die Metapher finde ich okay.)
Ich persönlich setze mir kein mechanisches / quantitatives Limit, sondern horche in mich rein, ob ich das, was ich da geschrieben habe, selber auch gern lesen würde.
(Das Reinhorchen dauert manchmal lange und führt immer wieder zu Selbstzweifeln - ein emotionaler Roller Coaster … Aber genau das ist der Prozess.)

Folge einfach deinem (Sprach-)Gefühl!

Good luck und LG

Chris

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Wenn du doch im ersten Satz alles Wesentliche festgestellt hast, warum sich dann noch selbst verunsichern? Ich könnte aber noch hinzufügen: “Bei mir wird das an einem Dienstag sein - alle anderen Details finden sich bis dahin.”

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Normalerweise sollte Dein Roman eine Prämisse haben, etwas das Du mit dieser Geschichte “beweisen” (nicht im juristischen Sinn) willst. James N. Frey formuliert die Prämisse meistens so: Eitelkeit führt zu Einsamkeit oder Gewinnsucht führt in den finanziellen Ruin. Wenn Du die Prämisse, die Du vielleicht gar nicht bewusst gewählt hast, bestätigt hast, ist der Roman zu Ende. Meistens lohnt es sich eben doch, über solche handwerklichen Details nachzudenken. Viele von uns können einen Roman schreiben, ohne die Prämisse bewusst zu formulieren, weil wir von Klein auf so viele funktionierende Geschichten gehört und gesehen haben, dass uns das in Fleisch und Blut übergegangen ist.
Außerdem sollte Dein Protagonist ein Ziel haben, das Du bzw. er über einen Spannungsbogen erreichst. Wenn er es erreicht hat, ist die Geschichte auch zu Ende. Dabei sollten die Wendepunkte an den richtigen Stellen liegen.

  1. Akt: Die Figuren und die Ausgangssituation werden eingeführt. Das auslösende Ereignis (z.B. der Mord im Krimi) zeigt an, dass die Geschichte überhaupt losgegangen ist. Bei Dir war das, glaube ich, die Stelle, an der Dein Protagonist feststellt, dass er kein Geld mehr auf dem Konto hat, oder?
  2. Wendepunkt (bei der 25%-Marke): Hier wird er Held unwiederbringlich in die Geschichte hineingezogen. Es gibt kein Zurück mehr zu seinem Ausgangszustand.
  3. Hälfte des 2. Aktes. Der Held ist jetzt in der Geschichte drin - wenn auch oft widerwillig. Er muss erste Abenteuer bestehen, um sein Ziel zu erreichen. Bisher reagiert er noch eher auf die Ereignisse, ist also etwas passiver.
  4. Wendepunkt (= Mittelpunkt bei der 50%-Marke): Hier wird der Held aktiv. Er hat jetzt gelernt, die Dinge in die Hand zu nehmen und seine Geschicke zu lenken.
  5. Hälfte des 2. Aktes: Der Held ist jetzt aktiv in der Geschichte und schlägt quasi zurück.
  6. Wendepunkt (bei der 75%-Marke): Dieser Wendepunkt leitet den 3. Akt ein. Er ist nicht ganz so markant wie die anderen beiden Wendepunkte. Von jetzt an geht es schnurstracks zum Höhepunkt bzw. Showdown.
  7. Akt. Der Held steuert geradewegs auf den Showdown zu, der bei ca. 99% stattfindet.

In einem Film kann man diese Wendepunkte oft auf die Minute genau nachvollziehen. Wenn die Lage nicht stimmt, stimmt für uns der Film irgendwie nicht. Wenn der 1. Wendepunkt zu früh kommt, fühlen wir uns von dem Film überrannt. Wenn er zu spät kommt, haben wir den Eindruck, der Film sei langatmig. In einem Drehbuch rechnet man normalerweise 1 Seite = 1 Filmminute. So kann der Drehbuchautor genau planen, wo die Wendepunkte sitzen müssen. Und das muss stimmen, denn Fehler im Filmgeschäft kosten Millionen.
Bei einem Roman verzeiht der Leser eine Abweichung von ein paar Prozentpunkten. Aber zu falsch dürfen die Wendepunkte auch nicht liegen, sonst “funktioniert” der Roman für uns nicht mehr richtig, ohne dass Laien genau sagen könnten, warum.

Wenn Du das Gefühl hast, immer weiterschreiben zu können, solltest Du Deine Wendepunkte und ihre Lage überprüfen. Sonst hat der Leser später den Eindruck, der Roman komme nicht “zu Potte”. Einen Spannungsbogen aufrechtzuerhalten ist nicht ganz einfach.
Aber Du kannst das an Filmen üben und versuchen festzulegen, wo die jeweiligen Wendepunkte liegen. Auch beim Lesen von Romanen kannst Du Dir das notieren, um es zu üben. Jede Szene, die die Prämisse und das Ziel des Romans nicht bedient und nicht zum Gleichgewicht des Romans beiträgt, fliegt raus.

Ich würde beim Schreiben selbst nicht zu oft alles durchlesen und etwas verändern. Sieh zu, dass erst mal das Gerüst stimmt (vgl. oben). Das erreichst Du am besten durch Planung. Wenn Du Dir vorher überlegst, was in jeder Szene passieren soll, brauchst Du Dich später nur noch auf die Sprache zu konzentrieren, aber nicht mehr auf die Figurenentwicklung. So etwas solltest Du vorher machen. Wenn Du ein Haus baust, kannst Du auch nicht mehr zwischendrin von Ziegelsteinen auf Holzbau umsteigen. Stell Dir vor, Dein Roman wäre ein Haus. Bestimmte Dinge kann man irgendwann nicht mehr ändern. Wenn ich jetzt an meinen Figuren etwas Grundlegendes ändern würde, würde alles zusammenstürzen, so sehr ist es miteinander verzahnt.

Am besten auch vorher. Zumindest das grobe Gerüst. Kartoffeln sind nicht wichtig, es sei denn Du schreibst eine Kartoffelgeschichte. Wichtig sind Ziele der Protagonisten, Motivation (sehr wichtig, sonst steigen die Figuren womöglich irgendwann aus der Geschichte aus) und Konflikt. Vorlieben und Schwächen sind vor allem in Bezug auf den Charakter wichtig. Welche Art von Kartoffeln jemand mag, ist nur ein Detail. Da mag es auch davon abhängen, ob Du eine Deadline hast, oder nicht. Aber die Grundlagen hängen nicht von einem Lieblingsgericht des Protagonisten ab.
Deswegen plane ich. Damit ich irgendwann sagen kann, o.k. diese Infos sind zwar nett, brauche ich aber nicht unbedingt. Du willst den Leser ja auch nicht erschlagen. Es sind vor allem die Infos wichtig, die Deine Geschichte voranbringen oder für Konflikt sorgen. Wenn diese Kartoffelsache ein Scheidungsgrund ist und es geht in Deinem Roman um eine Scheidung, dann ist das wichtig. Ansonsten nicht. Dann wäre es nur Prokrastination.

LG
Pamina

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Hallo Captain,

ein Text ist nie fertig. Du wirst immer was finden, was besser wäre. Auch wenn das Buch gedruckt ist. Und: Ein Text lebt. Was dir heute gefallen hat, muss dir in zwei Wochen schon nicht mehr gefallen. Du änderst dich täglich. Das macht aber nix. Man muss das nur wissen. Wieder mal ne Methapher gefällig? Der Text ist wie ein Fluss. Er sieht jeden Tag ein bisschen anders aus (und das Wasser ist auch immer anders).
Es gibt Tage, da sage ich über meine fertigen Entwurf-Kapitel: Jo, passt. Dann kommen Tage, da bin ich megakritisch: Auwei, näää! Was haste denn da verzapft! (Selbes Kapitel im Übrigen!) In diesem Moment brauche ich die Alpha-Leser meines Vertrauens (Ach Mensch, kannste mal drübergucken, ich bin grade sowas von betriebsblind…). Entweder ich bekomme ein „Meh!“ zurück, dann weiß ich, dass mein kleiner Finger für Shit zurecht gezuckt hat. Oder es kommt ein „Wo ist das Problem?“ Dann kommt der Lektor in mir mal für ein paar Tage in den metaphorischen Keller zum Nachdenken, ob er nicht doch ein bisschen zu streng ist.
Auch die Figuren leben. Und das dürfen sie auch.
Ich vergleiche meinen Text immer mit einer Skulptur. Erst hab ich nen Stein (oder nen Holzklotz) und werkel daran so lange rum, bis ich ungefähr die Form sehe. Dann kommen die Feinarbeiten. Und da kann man sich beliebig verkünsteln. :slight_smile:

Wenn du mehrere Spannungsbögen hast, würde ich vielleicht mehrere Bände machen. Oder eine Serie?

Vorschlag: Denk nicht so viel nach und schreib erst mal. Du brauchst ja auch einen Klotz, an dem du feilen kannst (siehe oben). Du schneidest weg oder fügst an - alles legitim. Du bist ein Künstler. Und ein Künstler arbeitet erst mal aus dem Bauch raus. Und der Kopf sortiert dann das, was der Bauch geliefert hat. :thumbsup:

LG,
Vroni

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Wie immer gibt es da kein Patentrezept.
Ich glaube, so 100%ig zufrieden ist man nie mit seinem Text. Da findet sich immer noch irgendetwas, was man ändern möchte. Das ist ja auch tagesformabhängig. Eine Formulierung, die man montags noch für gelungen und unglaublich witzig findet, ist mittwochs plötzlich total gekünstelt und übertrieben. Das Risiko steigt, wenn du ohnehin ein selbstkritischer Mensch bist.
Und die Versuchung, noch ein Detail, noch einen Aspekt, noch einen Gesichtspunkt unterzubringen ist auch immer groß. Aber lass den Lesern auch Platz für eigene Spekulationen, wie und wo sich dein Szenario (alle Konten plötzlich auf Null) noch auswirken könnten. Bedenke: Man kann ein Pferd auch zu Tode reiten.
Und manchmal hat man auch schlicht Angst, sein Baby loszulassen.

Wenn du der Meinung bist, dein Roman ist “rund”, auch wenn du da und dort vielleicht noch Verbesserungspotential siehst, dann gib ihn an Testleser. Vorzugsweise sehr unterschiedliche Testleser. Ein Germanist wird mit einem ganz anderen Fokus dein Buch lesen, als jemand, der einfach nur eine gute Geschichte lesen will. Aus dem Feedback wirst du dann schon sehen, ob irgendwo noch Nachbesserungsbedarf besteht, irgendwelche offenen Enden moniert werden oder hölzerne Figuren. Dann kannst du noch einmal dran feilen.

Nach dem, was du oben geschrieben hast, wage ich mal die Ferndiagnose, dass dein Roman reif ist für Testleser.

Edit: Wie ich gerade sehe, war Vroni schneller und hat auch viele der Punkte aufgeführt. Also ran an die Testleser :slight_smile:

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Captain, mein Captain.

was soll ich schreiben was die anderen nicht schon geschrieben hätten? Dem ist fast nichts hinzuzufügen. Aber ich kenne Deine Überlegungen. Habe jetzt auch mal eine Testleserunde gestartet und bin erfreut über das Feedback und erschrocken über einige Lücken, Logiklöcher und und und.

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Kenne ich auch alles lieber @CaptGregSparrow

Vielleicht mal eine ältere Version wieder hervorkramen und schauen, was hat sich verbessert, was nicht, und ob eine frühere Formulierung doch passender wäre.

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Ein, zwei Wochen dauert es wohl noch. Aber ja, hat jemand Interesse? :kissing:

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das war mehr auf die Kommentare der anderen bezogen :wink:

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why not, wenn es nicht schnell gehen muss?

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Ich kann der Metapher wenig abgewinnen. Meine Leser sind keine Köder, ich will sie nicht linken, um sie dann mit Bratkartoffeln und Remoulade auf den Tisch zu bringen. Das ist vielleicht etwas pissig, okay. Aber auch für den Rest: Dem kann ich unmöglich zustimmen.
Es muß **mir gefallen, und dann erst den Anderen. Ich schreibe nach meinem **Gefühl, es muß sich für mich gut anfühlen, anlesen, whatever. Natürlich hat man die Möglichkeit, sich in andere Menschen hineinzuversetzen - wäre auch blöde, wenn nicht als Autor - aber nach dem Maule schreiben, ach, nee. Ich verfüge glücklicherweise über ein ausgedehntes Testgebiet, dass mir sagt, ob meine Auffassung, meine Philosophie, mein Humor etc. gut bei Irgendjemand ankommen. Und ich wäre nicht bereit, meine Schreibe auf ein möglicherweise anderes Niveau zu senken, um Erfolg zu haben. Udo Jürgens hat einmal in einer Dokumentation geäußert, daß er einige Songtexte ändern mußte, weil sie zu anspruchsvoll waren. Nee, ich habe den Anspruch, sich bitteschön auf mich und meinen Stil einzulassen, sonst wird das nix. Und wenn ich auf Kisuaheli schreibe, lernt gefälligst die Sprache. :thumbsdown:Wenn ich gut bin, ginge sicherlich auch das. Okay, geklaut von Salinger… Ob es den Anderen gefällt, erfahre ich ja eh erst deutlich später. Ein paar Testleser, die dir vielleicht auch noch irgendwie nahe stehen - der Bruder, die Erbtante, der Partner - sagen fast gar nichts aus, und du hast ja wohl sicherlich ein größeres Publikum im Auge; es sei denn, man ist in einer Großfamilie aufgewachsen, die könnte zumindest die Lektoratkosten abdecken. Nach wie vor: Es ist reine Geschmackssache, nichts anderes als das. Es stellt sich hier - wie auch in anderen Threads - die Frage, wie man Qualtät und/oder Erfolg einander gegenüber stellt.
Abgesehen davon: Ich mache aus meinem Herzen keine Mördergrube. Wenn die Story schlüssig ist und sich sonst keine fiesen Fehler eingeschlichen haben, ergänze ich höchstens einige Szenen, und ich stelle auch etwas um, aber ansonsten bin ich mit meinen Ergebnissen ziemlich schnell und umfassend zufrieden. Arrogant, oder? Danke, Duane!

Verehrte Zauberfrau: Nein! Man kann sich auch bewußtlos überarbeiten! Oder verschlimmbessern. Man muß nur wissen, wann dieser Punkt erreicht oder überschritten ist. Ich traue einem geneigten Leser auch durchaus zu, daß er sich selbst etwas erarbeitet. Ob mein Held jetzt einen Bausparvertrag hat, einen Realschulabschluß oder geschieden ist - es braucht keine lückenlose Biographie. Z. Zt. übertreibe ich es auch noch manchmal, was die Charaktrisierungen meiner Helden und -innen angeht. Ich arbeite daran.

Selbstbewußtsein, eine gewisse Frische, eine halbe ALDI-Tüte voller Sorglosigkeit - danke, Stolpervogel!

Ist das bereits ein Nocebo-Effekt?

Mein lieber Lusmore - Du bist einzigartig, so, wie Du bist. Niemand schreibt so wie Du. Es sei denn, Du hälst Dich an die gängigen „Regeln“ und rauschst in diese Das-macht-man-so-und-so-Falle. You are the one. Überhaupt: Es werden jedes Jahr über den Daumen 10000 neue Tier und Pflanzenarten gefunden, auf diesem, unseren Planeten. Soviel zur Festlegung irgendwelcher Parameter. Überraschung is allways and ervrywhere!

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Das klingt für mich, als wäre die Geschichte, die du erzählen möchtest, noch nicht beendet oder ebnet dir die Möglichkeit für Band zwei und drei.

Ich schwöre dir, hole ich jetzt eine Kurzgeschichte aus dem Jahre 2018 aus meinem virtuellen Ordner hervor, werde ich die Hände über dem Kopf zusammenschlagen und mir denken: “Das kannst du doch so nicht stehen lassen!”
Trotzdem habe ich Respekt vor dem, was mein jüngeres Ich da geschrieben hat. Es war das Beste, zu dem ich in der Lage war. In drei Jahren sehe ich den Text wieder anders und möchte Kapitel umstellen, Worte wegnehmen, eine Szene dranschrauben, oder das Ende umschreiben.
Der Trick ist, zu akzeptieren, dass es immer etwas zu optimieren gibt und man eigentlich nie fertig wird.

Diese Frage habe ich mir nie gestellt.
Ich lerne meine Figuren während des Schreibens kennen. Das heißt, ob sie Salzkartoffeln mögen oder eine Tomatenallerigie haben, erfahre ich erst dann, wenn sie zum Essen eingeladen werden, ansonsten interessiert mich das nicht.
In der Planungsphase mache ich mir gerne grobe Steckbriefe zu meinen Figuren, nur um dann festzustellen, dass die kleinen Racker eh machen, was sie wollen.

Ich schreibe nur noch mit Wortzielen. Ist ein NanNoWriMo-Überbleibsel. Das hilft mir und motiviert mich. Vorallem wenn ich mal nicht weiterkomme, oder versuche, mich vor einer Szene zu drücken. Zeitlimits setze ich allerdings keine. Das baut bei mir zu viel Druck auf.

Es gibt da wahrscheinlich kein “So ist es richtig und nur so wird es gemacht.” Vielleicht muss man einfach akzeptieren, dass man es nie ganz so hinbekommt wie gedacht und sich trotzdem irgendwann zurücklehnt und **Ende **schreibt.

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Hallo lieber @narratöör :slight_smile:
Genau das habe ich damit ausdrücken wollen. Der Text ist nie fertig ( => Unendlichkeit!). Da das nicht funktionieren kann, muss - wie du sagst - irgendwann ein Schlussstrich gezogen werden. Und der Schlussstrich ist das gedruckte Buch. Deswegen mein nachfolgender Satz: Auch im gedrucken Buch. Ich hatte mich vielleicht ein bisschen undeutlich ausgedrückt. Sorry… :astonished:

Also alles gut. Bin absolut deiner Meinung! :thumbsup:

Liebe Grüße,
Vroni

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meld

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Hey, Lus, so habe ich es auch verstanden. Ich wollte mich damit meinen Vorrednern anschließen. :slight_smile:

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Ich finde, die Frage ist eher: Was kannst Du weglassen, ohne daß Deine Geschichte leidet? Wenn Du nichts mehr weglassen kannst, bist Du fertig. Dranstricken macht Texte selten besser.

Wenn das, was Du dranstricken könntest, interessant genug ist, mach ein eigenes Buch draus. Sonst laß es weg.

Ich lasse beim Überarbeiten die Anzeige mit den Änderungen stehen. Frühestens am nächsten Tag, oft später, sehe ich sie mir an und entscheide, was ich übernehme und was nicht. Ich habe das Gefühl, daß meine Entscheidungen dadurch besser werden. Definitiv werden sie sicherer. Bin ich unentschlossen, ändere ich nicht. Der Text soll besser werden - wird er das, weiß ich das und ändere.
Mit diesem Verfahren komme ich nach drei, vier Schleifen an den Punkt, an dem sich keine Änderungen mehr aufdrängen.

Was den Punkt Testleser betrifft: Neugierig wäre ich, Deine Leseprobe fand ich interessant.
Falls Du das in Betracht ziehst: Ich würde Dir nur vorher nicht zusagen, auf jeden Fall das ganze Buch zu lesen. Was kein Qualitätsurteil wäre, sondern ein Fall von “spricht mich doch nicht an”. In dem Fall könnte ich Dir nur sagen, wann und warum ich ausgestiegen bin und wie mein Eindruck bis dahin lautet.
Das soll überhaupt nicht heißen: Lese ich, aber nicht zu Ende. Ich wollte es nur vorher gesagt haben, weil nicht alle Autoren diese Einschränkung möchten (was selbstverständlich völlig in Ordnung ist).

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Wenn

** E N D E**

druntersteht. Interessante Frage. Wenn du anfängst zu schwafeln, dann hättest du besser schon hundert Seiten früher aufgehört. Wenn der geneigte Leser enttäuscht wäre, weil ihn dies und jenes und anderes noch fehlt, dann solltest du wissen, dass es das ist, was du immer noch in einen Folgeband reinschreiben kannst. Also dann ist Schluss. Der Leser muss im Anschluss an das Buch offene Fragen haben und sich weiterträumen dürfen, selbst, wenn es niemals weitergeht.
Du scheinst nicht zu wissen, welche Geschichte du erzählen willst, richtig? Wenn die Geschichte auserzählt ist, wenn deine Prämisse aufgegangen ist, dann ist das Buch fertig. Wenn du keine Lust mehr hast auch.

Ein Ende zu schreiben, ist genauso eine Kunst, wie einen sauberen, spannenden Anfang hinzubekommen. Eine Kunst. Die muss man lernen, indem man es macht. Ein Ende ist ein Knall, wenn es plätschert, läuft was verkehrt.

Beim Krimi ist Schluss, wenn der Mörder gefasst ist. Kein Schwein interessiert die Gerichtsverhandlung.
Beim Liebesroman ist Schluss, wenn sie heiraten. Keine Sau interessiert die ungepflegten Protas auf dem Sofa bei TV-Glotzen.
Beim Thriller ist Schluss, wenn die Bedrohung vorbei ist. Wenn ne neue kommt, ist es ein neues Buch.

P.S. Gut Ding will Pfeile haben.

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Von wieviel Normseiten ist die Rede?

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meld ich würde auch gerne testlesen - wenn man sich etwas Zeit lassen darf (hab grade viel anderes umme Ohren).